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Ottenhausen – Ökologisches Dorf der Zukunft 1992 - 1997

Um den Informationsbedürfnissen der Gemeinden- und Dorfgemeinschaften entgegenzukommen und das nötige Wissen und praktische Beispiele zu vermitteln, hat die Landesregierung NRW das Ministerium für Umwelt, Raumordnung und Landwirtschaft (MURL) 1991 mit dem Modellprojekt "Ökologisches Dorf der Zukunft" beauftragt. Aus 21 Gemeinden, die sich an der Ausschreibung beteiligten, wurden Benroth in der Gemeinde Nümbrecht (Oberbergischer Kreis) und Ottenhausen in der Stadt Steinheim (Kreis Höxter) ausgewählt.
Das Modellprojekt wurde 1992 begonnen und war auf fünf Jahre angelegt. Es sollte in den beiden ausgewählten Dörfern eine ökologische Entwicklung einleiten und entsprechende Maßnahmen fördern, die beispielhaft andere Gemeinden ermutigen, diesen Weg ebenfalls einzuschlagen. Ziel war es, exemplarisch die Möglichkeiten einer ökologisch, ökonomisch und sozial ausgewogenen Dorferneuerung aufzuzeigen. Die umfassende ökologisch orientierte Dorfentwicklung sollten, entsprechend der örtlichen Gegebenheiten, folgende Handlungsfelder abdecken:

  • Flächennutzung
  • Landwirtschaft
    Landschaftspflege und Naturschutz
  • Verkehr
  • Abwasser und Abfall
  • Energieversorgung
  • Naherholung und Fremdenverkehr
  • Bauen, Wohnen und Wohnumfeld

Jeweils ein Planungsbüro begann 1992 mit der Bestandsaufnahme von Landschaft, Siedlungsstruktur, Bausubstanz und Ortsbild. Unter intensiver Beteiligung der Bevölkerung wurde daraus ein Zielkonzept entwickelt und bis 1997 umgesetzt. Finanziert wurden die Maßnamen aus den vorhandenen Fördermöglichkeiten vor allem der Dorferneuerung..

Der mittlerweile verstorbene Minister Matthiesen zeigte sich damals sehr interessiert am Fortschritt des Projektes.


Wer sich bewegt, kann viel bewegen

Unter diesem Motto wurde in Ottenhausen das Projekt in Angriff genommen. Oberstes Kriterium war die enge Bürgerbeteiligung. Im privaten wie im öffentlichen Bereich des Dorfes wurden sehr viele Einzelmaßnahmen entsprechend dem Anforderungskatalog des Modellprojekts und den spezifischen Bedürfnissen vor Ort umgesetzt. Wo immer möglich, erfolgten die Arbeiten unter Beteiligung der Bürger. Vor allem die Vereine leisteten viele Stunden an freiwilliger Arbeit.
Das Engagement endete jedoch nicht mit dem Auslaufen des Projektes. Ihre guten Erfahrungen aus der praktizierten Bürgerbeteiligung, die positive Resonanz auf ihre bisher erzielten Leistungen sowie das Bewußtsein, mitentwickelte Konzepte auch nach Abschluß des Modellprojektes noch stärker in Eigenregie sinnvoll fortzusetzen, führen zu weiteren Projekten im ökologischen Dorf. Die Erfolge zeigen sich nicht nur in der Beteiligung an der EXPO 2000, sondern auch vor Ort im aktiven Dorfgemeinschaftsleben.
Die guten Erfahrungen mit der ökologischen Umgestaltung des Dorfes geben die Bürger in Seminaren und Führungen auch an andere interessierte Gemeinden weiter.


Die Ziele des Projekts

(Die Ziele des Projektes können Sie hier auch als PDF herunterladen)

Die übergeordneten Ziele des Projektes 'Ökologisches Dorf der Zukunft' waren:

  • die Eigenart der Dörfer zu erhalten
  • Umweltbelastungen zu verringern und
  • Zukunftsperspektiven für die Bürger aufzuzeigen

Aufgeschlossenheit der Dorfbewohner, Phantasie zur Lösung von Problemen, vor allem aber Eigeninitiative waren Grundvoraussetzungen für das Gelingen des Projektes. Es gibt kein Patentrezept und keine schnellen Lösungen für das 'Ökologische Dorf der Zukunft'. Viele Anforderungen müssen für eine behutsame, zukunftsfähige Entwicklung erfüllt werden:

Schutz des Freiraums

  • ökologische Dorfentwicklungsplanung 
  • landschaftliche Einbindung
  • Beachtung des Kleinklimas
  • Sicherung landwirtschaftlicher Betriebstandorte

Landschaftspflege und Naturschutz

  • Begrünung im öffentlichen und privaten Bereich
  • Erhaltung oder Wiederherstellung von Lebensräumen für heimische Tier- und Pflanzenarten im Dorf
  • Haus- und bäuerliche Wirtschaftsgärten
  • Hofbäume und –alleen
  • Obstwiesen und –weiden

Verkehr

  • Verkehrsberuhigung
  • Rückbau zu Dorfstraßen
  • Aufhebung von Versiegelungen auch im privaten Bereich
  • Fuß- und Radwege
  • Verdeutlichung der Ortseinfahrten (zum Beispiel durch Anpflanzungen)
  • Überlegungen und Initiativen zum ÖPNV 

Kommunikationsmöglichkeiten im Dorf

  • Anlage und Gestaltung von Plätzen
  • Spielmöglichkeiten
  • Treffpunkte für Jugendliche und für ältere Dorfbewohner
  • Umnutzung bisher landwirtschaftlich genutzter Baulichkeiten für das Gemeinschaftsleben im Dorf

Wasserschutz, Abwasservermeidung und –beseitigung

  • Renaturierung der Dorfbäche
  • Vermeidung von Eintrag verunreinigten Wassers
  • Verwendung von Regenwasser in Hof, Haus und Garten
  • Abwasserbeseitungsanlagen
  • Kläranlagen im Verbund

Abfallwirtschaft

  • Abfallvermeidung
  • Vermehrte Kompostierung
  • Wiederverwertungskonzepte

Energieeinsparung

  • Kraft-Wärme-Kopplung
  • Biogas
  • Biomasseverwendung

Ökologische (umweltverträgliche) Landbewirtschaftung

  • ökologischer Anbau
  • neue Vermarktungsstrategien für ökologische Produkte 
  • naturnahe und tiergerechte Landwirtschaft

Versorgung mit Dienstleistungen

  • mobiler Verkauf
  • Bündelung des Angebotes an Waren und Dienstleistungen durch Mehrfachnutzung einer Einrichtung
  • Gesundheitsversorgung
  • Kinderbetreuung
  • Altenpflege

Erhaltung, Instandsetzung und Gestaltung der Bausubstanz

  • Renovierung
  • Modernisierung mit umweltverträglichen Materialien
  • Verwendung einheimischer und natürlicher Baustoffe
  • Einhaltung der für das Dorf charakteristischen Baumaße, Bauformen und Farben
  • entsprechende und behutsame Ein- und Anpassung von Neubauten
  • Baulückenschließung nur unter Berücksichtigung des Kleinklimas und der Erhaltung von ökologisch wertvollen Freiflächen wie etwa Obstwiesen und –weiden
  • neue Nutzungen für leerstehende oder untergenutzte Gebäude

Denkmalpflege

  • Erhaltung ortsbildprägender oder geschichtlich bedeutsamer Gebäude sowie
    der Naturdenkmale im Dorf
  • Erhaltung des Ortsgrundrisses

Naherholung und Fremdenverkehr

  • Urlaub auf dem Bauernhof
  • Wanderwege
  • Gastronomie

Umweltbewußtsein/Umweltverhalten, Bürgermitwirkung

  • Bürgerversammlungen
  • Arbeitskreise
  • Schule
  • Volkshochschule
  • Kirchen
  • Traditionspflege
  • regionsspezifisches kulturelles Angebot
  • bewußtes Einbeziehen der Jugendlichen, Frauen und Alte

Wie diese Anforderungen im Einzelnen erfüllt werden können, muß entsprechend den Gegebenheiten vor Ort geklärt werden. In Zusammenarbeit zwischen Planungsbüro und Bürgern wurde aus diesen Anforderungen ein Maßnahmenkatalog erstellt und eine umfassende Dorferneuerung in Angriff genommen.